NVDA Portable – Der Screenreader für die Hosentasche

Wer als blinder oder sehbehinderter Mensch regelmäßig an unterschiedlichen Computern arbeitet, kennt das Problem: Nicht überall ist ein Screenreader installiert oder die vorhandene Konfiguration entspricht nicht den eigenen Bedürfnissen. Genau hier spielt der kostenlose Screenreader NVDA seine besondere Stärke aus.

Im Gegensatz zu vielen anderen Screenreadern lässt sich NVDA vollständig portabel betreiben. Das bedeutet: Der komplette Screenreader inklusive persönlicher Einstellungen und Erweiterungen kann bequem auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte gespeichert und an nahezu jedem Windows-PC genutzt werden. So hat man seine gewohnte Arbeitsumgebung immer dabei – praktisch eine „sprechende Hosentasche“.

Besonders im Vergleich zu JAWS ist dies ein enormer Vorteil. Während JAWS meist fest installiert werden muss, kann NVDA flexibel und unkompliziert mobil eingesetzt werden.

Warum eine portable NVDA-Version sinnvoll ist

Eine portable Version von NVDA bietet viele Vorteile:

  • Eigene Einstellungen stehen jederzeit zur Verfügung
  • Erweiterungen und Add-ons können übernommen werden
  • Kein Installationsaufwand auf fremden PCs
  • Ideal für Schule, Beruf, Schulungen oder Reisen
  • Der Screenreader kann direkt vom USB-Stick gestartet werden

Gerade Nutzer, die häufig an wechselnden Geräten arbeiten, profitieren enorm von dieser Flexibilität.

Zwei Wege zur portablen NVDA-Version

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, eine portable Version von NVDA zu erstellen.

1. Direkt beim ersten Start eine portable Kopie erstellen

Nachdem NVDA heruntergeladen und gestartet wurde, bestätigt man zunächst die Lizenzbedingungen. Anschließend kann direkt die Option „Portable Kopie erstellen“ ausgewählt werden.
Danach legt man fest, an welchem Speicherort NVDA abgelegt werden soll – beispielsweise auf einem USB-Stick. Im letzten Schritt kann der Screenreader individuell eingerichtet und mit gewünschten Erweiterungen ausgestattet werden.
Diese Methode eignet sich besonders für Nutzer, die eine komplett neue portable NVDA-Version aufsetzen möchten.

2. Eine vorhandene Installation portabel machen

Die zweite Variante ist häufig deutlich komfortabler: Aus einer bereits installierten und vollständig eingerichteten NVDA-Version wird eine portable Ausgabe erstellt.
Der große Vorteil liegt auf der Hand:
Alle vorhandenen Einstellungen, Sprachkonfigurationen und installierten Erweiterungen werden automatisch übernommen. Dadurch erhält man eine portable Version, die exakt der gewohnten Arbeitsumgebung entspricht.
Schritt für Schritt: Eine personalisierte portable NVDA-Version erstellen

  • Schritt 1: NVDA und Erweiterungen überprüfen
    Bevor die portable Version erstellt wird, sollte überprüft werden, ob:

    • NVDA auf dem neuesten Stand ist
    • alle Erweiterungen aktuell sind
    • sämtliche gewünschten Einstellungen vorgenommen wurden
      So stellt man sicher, dass die portable Version später exakt den eigenen Anforderungen entspricht.
  • Schritt 2: Das NVDA-Menü öffnen
    Mit der Tastenkombination NVDA+N öffnet man das Hauptmenü von NVDA.
  • Schritt 3: Die Funktion „Portable Version erstellen“ auswählen
    Im NVDA-Menü navigiert man zum Bereich „Werkzeuge“ und wählt dort die Option „Portable Version erstellen“ aus.
  • Schritt 4: Speicherort festlegen
    Im folgenden Dialogfenster wird nun angegeben, wo die portable Version gespeichert werden soll. Hier kann beispielsweise direkt ein USB-Stick ausgewählt werden.
  • Schritt 5: Einstellungen übernehmen
    Besonders wichtig ist das Kontrollfeld:
    „Einstellungen des aktuellen Benutzers kopieren“
    Dieses Kontrollfeld sollte unbedingt aktiviert sein. Nur dann werden:

    • persönliche Einstellungen
    • installierte Erweiterungen
    • Sprach- und Braille-Konfigurationen
    • individuelle Anpassungen
      in die portable Version übernommen.
      Ist das Kontrollfeld deaktiviert, erhält man stattdessen eine komplett neue Standardinstallation von NVDA ohne persönliche Anpassungen.
  • Schritt 6: Automatischen Start festlegen
    Zusätzlich kann ausgewählt werden, ob die neu erstellte portable Version nach der Erstellung sofort gestartet werden soll oder ob weiterhin die bisherige NVDA-Version aktiv bleiben soll.
  • Schritt 7: Portable Version erstellen
    Abschließend wählt man den Schalter „Fortfahren“ aus. Nun erstellt NVDA die portable Version.
    Je nach Anzahl der installierten Erweiterungen kann dieser Vorgang einige Sekunden dauern.
    NVDA unterwegs nutzen

Nach der Erstellung kann der komplette NVDA-Ordner einfach auf einen USB-Stick oder eine externe Festplatte kopiert werden.
Um NVDA an einem anderen Computer zu starten, öffnet man lediglich den entsprechenden Ordner und startet die Datei:
nvda.exe
Anschließend wird die portable Version von NVDA direkt gestartet – inklusive aller persönlichen Einstellungen und Erweiterungen.

Von Portable zurück zur Installation

Interessant ist außerdem: Der umgekehrte Weg funktioniert ebenfalls problemlos.
Hat man bereits eine portable NVDA-Version im Einsatz, kann diese auch direkt auf einem Computer installiert werden. Dazu öffnet man erneut das NVDA-Menü und wählt unter „Werkzeuge“ die entsprechende Installationsfunktion aus.
Auch hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die vorhandenen Einstellungen und Erweiterungen übernommen werden. Nach kurzer Zeit steht NVDA dann als vollständig installierte Version auf dem Rechner zur Verfügung.

Fazit

Mit der portablen Funktion bietet NVDA eine enorme Flexibilität, die besonders für blinde und sehbehinderte Nutzer im Alltag äußerst praktisch ist. Ob in der Schule, im Beruf oder unterwegs – die Möglichkeit, den eigenen Screenreader samt persönlicher Einstellungen jederzeit dabeizuhaben, macht NVDA zu einem leistungsfähigen Begleiter auf jedem Windows-PC.
Gerade Nutzer, die häufig an fremden Geräten arbeiten oder ihre gewohnte Arbeitsumgebung nicht missen möchten, profitieren von der portablen Variante enorm.